An Bord der Emden – So lebt die Crew auf einem Autotransporter

1,41 Millionen Autos wurden 2015 in Emden umgeschlagen – Dafür laufen mehrfach täglich die großen und eher unförmigen Autotransporter in den Hafen an der Emsmündung ein – riesige Parkhäuser! Doch wie sieht es an Bord aus und wie lebt die Crew? Schiffe-Emden.de durfte sich auf der „Emden“ umsehen.

 

Die „MV Emden“ – ein knapp 30 Jahre alter blauer und 178 Meter langer sowie 29 Meter breiter Autotransporter, für diese Schiffsklasse eine eher mittlere Größe. Telefone mit Wählscheiben und ein nichtvorhandener  Fahrstuhl zeigen, dass das 1987 gebaute Schiff schon einige Dienstjahre hinter sich hat. Dennoch ist sie weiterhin zuverlässig. Von der Volkswagen Konzernlogistik für eine feste Zeit gechartert, ist sie auf der Route Emden – Dublin (Irland) – Santander (Spanien) – Setúbal (Portugal) unterwegs. VW-Hafenkapitän Leonidas Kampmann lobt das Schiff und seine Crew für die gute Zusammenarbeit. Für die Route benötigt das Schiff 9-13 Tage, in Emden zum Beispiel liegt sie kaum 24 Stunden. Im hohen Tempo werden dann Deck für Deck, die übrigens höhenverstellbar sind, über zwei Laderampen die Fahrzeuge ent- und beladen sowie festgelascht. Darunter neben Passat, Polo & Co. mitunter auch Neuwagen von Audi, Porsche, Skoda sowie Nutzfahrzeuge.

Autotransporter EMDEN-14

 

Roberto T. Alelis ist der freundliche Kapitän der „Emden“. Wie alle anderen Besatzungsmitglieder kommt der 59-Jährige von den Philippinen. Die Arbeitsverträge der Reederei aus Japan haben eine sechs-monatige Laufzeit, Alelis bleibt sogar noch länger an Bord. Was er am meisten vermisse? Natürlich seine Familie – Seine drei Kinder, die auf Schiffen, in den USA und in Dubai arbeiten und seine Frau. Sie sind stolz darauf, dass ihr Mann und Vater Kapitän eines solchen Schiffes ist. Er freut sich schon sie wieder zu sehen, das sei die fröhlichste Zeit für ihn. Zum Glück ist die Kommunikation nach Hause im Laufe der Jahrzehnte leichter geworden. Telefonieren ist mittlerweile deutlich günstiger, Kontakt ist via Internet fast jederzeit möglich.
Ob die Arbeit hier gefährlich ist? Minimal – früher sei es gefährlicher gewesen. Allerdings ist die Fahrt bei Stürmen, besonders in der Bucht von Biscaya mit hoher Krängung des Schiffes, schon ein Abenteuer. Auf Autotransportern sei es zudem ähnlich wie auf anderen Frachtschiffen.

 

Wenn die „Emden“ im Hafen liegt, ist die Crew sehr beschäftigt. Es gibt viel zu tun. Bei der Autoverladung helfen, Proviant an Bord holen, Telefonkarten und mehr in der nahliegenden Seemannsmission kaufen und, und, und. Zeit Emden, die Namenspaten-Stadt, zu erkunden und in der Innenstadt mal eine Pizza zu essen hätten sie gehabt als ihr Schiff letztes Jahr einen Monat bei den Nordseewerken überholt wurde.

 

Für die Freizeit gibt es an Bord eine Vielzahl von Möglichkeiten. Neben der wichtigen Kombüse mit Crewmesse sowie eines für jeden jederzeit zugänglichen Kühlschrank gibt es eine Art Wohnzimmer, das ein Wandteppich mit dem Emder Stadtwappen schmückt. Nebenbei bemerkt: Bilder von Jesus sind zahlreich zu finden, Religion scheint einen hohen Stellenwert zu haben. Außerdem wird viel musiziert – ein Schlagzeug und Gitarren stehen bereit, einige Crewmitglieder sollen fantastisch singen können. Zudem gibt es einen Raum mit einem philippinischen Billardspiel, Boxsack und Tischtennis.

Und in 9-13 Tagen wird die „Emden“ mit Kapitän Alelis und seiner Crew hoffentlich wieder sicher Emden erreicht haben und wieder tausende neue Autos laden!

 

Vielen Dank an Volkswagen und die Emder Zeitung für die Möglichkeit der umfangreichen Besichtigung!